Tut Religion der Psyche gut?
Die religiösen und spirituellen Einflüsse auf die Gesundheit sind in der wissenschaftlich- psychiatrischen Forschung der letzten 150 Jahre stark vernachlässigt worden.
Im späten 19. Jahrhundert haben Jean Charcot und Sigmund Freud begonnen, Religion mit Hysterie und Neurose (psychische Störung) zu assoziieren. Religion war für diese Autoren kein Heilmittel, sondern schlichtweg Krankheit. 1969 schrieb der US-Psychiater Victor D. Sanua: «Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die darauf hinweisen, dass Religion der psychischen Gesundheit dient.» Das ist auch der Wissensstand einiger Kollegen, die sich seither auf diesem Gebiet nicht mehr weiterentwickelt haben.
Suche nach Fakten
D. B. Larson und seine Mitarbeiter begannen in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts, diese Meinung wissenschaftlich zu hinterfragen. Aus ihren Analysen zeigte sich, dass nur 2.5 % der psychiatrischen Studien den Faktor Religiosität bzw. Spiritualität berücksichtigen. Im Gegensatz zu Sanuas Behauptung beschreiben sie aber, dass 72 % der bisher gemachten Studien eine positive Beziehung zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit erhoben haben.
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Bild: Pixabay
RAPHAEL M. BONELLI, Prof. Dr. med. Dr. sci., Psychiater und systemischer Psychotherapeut, Wien, A
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