Zum Hauptmenü springen

Dranbleiben zahlt sich aus

Klassentreffen!? «Soll ich? Soll ich nicht?» Die Einladung zum Klassentreffen lächelt mich freundlich an. Kann es wirklich sein, dass ich die Mädchen 20 Jahre lang nicht mehr gesehen habe?

Nur drei Jahre haben wir miteinander verbracht, aber ich hatte nie eine so wundervolle Klassengemeinschaft – weder in den zwölf Jahren Schule davor, noch in den fünf Jahren Studium danach. Was trennt mich also von einem nostalgischen Nachmittag bei Schokokuchen und tausend Erinnerungen? Nun ja. 800 km, 250 Euro Flugkosten und ein fehlender Babysitter.

Wie entscheiden?

Das Leben nötigt mich also zur unangenehmen Frage, wie viel mir diese Freunde wert sind. Und eine klare Stimme sagt mir: Vergiss das Treffen, du hast doch Facebook! Du weißt doch alles. Meli hat mittlerweile drei erwachsene Jungen und ein Pony, Susanne eine eigene Praxis und Mona läuft immer noch Marathon. Tine hat doch noch geheiratet und Carmens Töchter modeln beide – oder streben es sichtlich an. Du bist sowieso immer auf dem neuesten Stand. Dieses «soziale Medium» ist doch die Einrichtung, um im 21. Jahrhundert Freundschaften zu pflegen.

Die andere Stimme erinnert mich daran, dass ich vor kurzem einem jungen Politikwissenschaftler beim Philosophieren über Freundschaft zugehört habe. Was er zu sagen hatte, gefiel mir sehr – gleichzeitig fühlte ich mich wie in einem Nacktscanner. Denn seine Rede beleuchtete mein Freundschaftsverhalten auf durchdringende Weise – und was da an Substanz zum Vorschein kam, gefiel mir weniger.

Alte Weisheiten

Schon Aristoteles, so wurde ich nämlich belehrt, unterschied 350 v. Chr. drei Qualitäten von Freundschaft. Die Zweckfreundschaft, die Lustfreundschaft und die Tugendfreundschaft. Von außen sehen diese Verbindungen mitunter ganz ähnlich aus: ...

Weiterlesen? Laden Sie diesen Artikel kostenfrei herunter.

Judith Fockner, Alsbach-Hähnlein, D, Religionspädagogin

Folgende Artikel finden Sie in dieser Rubrik auch noch:

Wer vertraut, gewinnt

Unbefriedigend oberflächlichIn unserem Mutter-Kind-Kreis ist alles in Ordnung. Wirklich. Ausschließlich brave Kinder und tolle Mütter. Conny, zum Beispiel, die erfahrene Tagesmutter, hat ein sagenhaftes Repertoir an Kinderliedern. Angelika, ...

mehr lesen

Menschen in Not begegnen

«Hallo, wie geht’s?» Die freundliche Stimme gehört Noha. «Komm, komm!» Sie freut sich darüber, dass ich heute Vormittag mit ihr gemeinsam kochen werde. Als Ägypterin koptischen Glaubens fühlt sie sich in Österreich oft sehr einsam.

mehr lesen

Über das Glück

Glück. Die Glücksforschung boomt. Psychologie, Neurologie und Genetik, Soziologie und Ökonomie: Kaum eine akademische Disziplin, in der nicht jemand versucht, die uralte Frage zu beantworten, was Menschen glücklich macht – und ob sie selbst etwas dafür tun können. Aristoteles definierte Glück mit „eudaimonia“ – das gelungene, erfüllte Leben.
mehr lesen

Vergebungsforschung beweist: Vergebung ist lernbar

In den letzten Jahren wurde das Wesen und die Wirkung von Vergebung zunehmend wissenschaftlich erforscht. Unter anderem stellt sich auch die Frage, ob Gruppeninterventionen (z.B. Seminare) um Vergebung zu lernen und anzuwenden hilfreich sind. Von verschiedenen Teams sind bisher eine Reihe von Studien publiziert worden. Dabei konnte ein positiver Effekt von Vergebungsprogrammen nachgewiesen werden, sowohl für alte und junge Menschen, für Männer und Frauen, für Katholiken und Protestanten, sowohl bei Suchterkrankungen, bei körperlichen Problemen wie Herzerkrankungen und auch bei Beziehungsproblemen.
mehr lesen

Es gibt auch Vorteile

Am 24. August 2015 waren erstmals an einem einzigen Tag eine Milliarde Menschen bei Facebook aktiv. Das ist praktisch jeder siebente Mensch dieser Erde, der an diesem Tag über Facebook Informationen gelesen...

mehr lesen