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Vergebungsforschung beweist: Vergebung ist lernbar

In den letzten Jahren wurde das Wesen und die Wirkung von Vergebung zunehmend wissenschaftlich erforscht. Unter anderem stellt sich auch die Frage, ob Gruppeninterventionen (z.B. Seminare) um Vergebung zu lernen und anzuwenden hilfreich sind. Von ver

Konkret stellten sich Vergebungsinterventionen als hilfreich heraus für:

  • Ältere Frauen, welche sich vernachlässigt fühlten (Hebl & Enright 1993)
  • College Studenten von vernachlässigenden Eltern (Al-Mabuk et al. 1995)
  • Männer, deren Frauen Abtreibungen durchführen liessen (Coyle and Enright 1997)
  • Geistliche, welche wegen persöhnlicher Fehler scheiterten (Van Loon 1997)
  • Frauen, welche als Kinder missbraucht wurden (Hebl & Enright 1996)
  • Partner von untreuen Liebhabern (Rye 1998)
  • Erwachsene Kinder von Alkoholikern (Osterndorf 2000)
  • Personen in Drogenrehabilitationszentren (Lin 2001)
  • Katholiken und Protestanten, von Nordirland, welche ein Familienmitglied wegen politischer Gewalt verloren (Luskin 2002)
  • Menschen, welche sich von Missbrauch chemischer Stoffe erholten (Shapiro 2002)
  • Männliche Kriegsveteranen mit Herzerkankungen ( Waltman 2003)
  • Junge Mädchen, welche Opfer von Gewalt wurden (Park 2003)
  • Patienten mit arterieller Hypertonie und erhöhtem Ärger-Score (Tibbits et al. 2006)

Grundsätzlich gilt die Aussagekraft von kleinen Studien für beschränkt, sie kann aber dadurch vergrössert werden, dass mehrere kleine Studien in einer sogenannten Metaanalyse zusammengefasst werden. In Worthington’s Handbook of Forgiveness wurde 2005 von Wade et al. eine solche Metaanalyse über Gruppeninterventionen zur Förderung der Vergebung veröffentlicht. Insgesamt konnten 27 Studien (von 1995 bis 2004) mit einem total von 39 Vergebungsinterventionen, 10 alternativen Behandlungen und 16 nicht behandelten Kontrollgruppen eingeschlossen werden. Die Forscher kamen dabei zu folgender Schlussfolgerung: „Die Daten scheinen deutlich zu sprechen: Interventionsprogramme zur (Förderung der) Vergebung sind effektiv.“

Bestimmt gibt es aus wissenschaftlicher Sicht im Zusammenhang mit Vergebung noch viele offene Fragen. Trotzdem schliesse ich mich Worthington an, der sein Handbook of Forgiveness schliesst, indem er den verschiedenen Gruppen von Lesern spezifische Ratschläge gibt. Er meint, dass Vergebung ein kraftvolles Instrument ist, sowohl in der Einzelberatung als auch als Gruppenkurs und zwar in der Behandlung, wie auch in der Vorbeugung. Es lohnt sich bereits heute, Vergebungsseminare durchzuführen oder daran teilzunehmen.

Dr. med. Ruedi Brodbeck, nach einem Symposiumsbeitrag an der European Conference on Religion, Health and Spirituality, Bern, 2008

Bild: pexels.com

RB

Vergeben lernen!

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