Zum Hauptmenü springen

Evangelische Volkspartei fordert Tabak-Debatte

Bern und Lausanne/Schweiz, 14.10.2016/APD Die Evangelische Volkspartei der Schweiz EVP begrüsst laut einer Medienmitteilung den Entscheid der
Gesundheitskommission des Nationalrates (SGK) vom 13. Oktober ausdrücklich, das Tabakproduktegesetz nicht an den Bundesrat zurückzuweisen. Dieser will darin Tabakwerbung auf Plakaten, in Print- und Onlinemedien sowie im Kino schweizweit verbieten. Die EVP sei überzeugt, dass die Debatte um den Zielkonflikt zwischen unbegrenzter Wirtschafts-freiheit und wirksamem Jugendschutz keinen Aufschub mehr dulde. Die Jugendlichen seien die Hauptzielgruppe der Tabakwerbung, schreibt Sucht
Schweiz in einer Medienmitteilung. Nach einer Studie der Fachstelle Tabak-prävention CIPRET sind Jugendliche an einem Samstag mit Ausgang im Schnitt 68 Werbereizen der Tabakindustrie ausgesetzt.

„Die EVP kämpft zuallererst dafür, dass die Debatte überhaupt geführt wird und sich nicht stillschweigend die Tabaklobby mit ihrem wirkungslosen Feigenblatt-Jugendschutz durchsetzt“, stellt EVP-Nationalrätin Maja Ingold, Zürich, klar. Die Debatte zwischen den beiden Lagern „unbegrenzter Marktliberalismus“ und „wirksamer Jugend- und Gesundheitsschutz“ müsse auch in der Schweiz endlich geführt werden. Da die heutigen Regelungen nur bis längstens 2021 gelten würden, brauche es ein neues Gesetz.
Der Ständerat will die Vorlage mit dem Auftrag an den Bundesrat zurück-weisen, einen neuen Vorschlag ohne zusätzliche Werbeverbote zu unterbreiten.
Allianz für starkes Tabakproduktegesetz begrüsst Entscheid
Auch die Allianz für ein starkes Tabakproduktegesetz begrüsse den Entscheid der Gesundheitskommission, so Sucht Schweiz. Laut neustem Suchtmonitoring nehme die Raucherquote in der Schweiz seit Jahren nicht mehr ab, dies im Gegensatz zur grossen Mehrheit der OECD-Länder. Die Schweiz sei eines der letzten Länder in Europa, das trotz Unterzeichnung der WHO-Rahmenvereinbarung zum Schutz vor Tabakwerbung noch immer keine genügend wirksamen Massnahmen ergriffen habe. Gemäss neusten Zahlen wünsche eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ein totales
Werbeverbot für Tabakwaren und würde damit noch weiter gehen als der
Gesetzesentwurf des Bundesrates.
EVP: Kinder und Jugendliche sind Zielgruppe der Tabakwerbung
Der Bundesrat hält trotz Kritik bereits in der Vernehmlassung an einer weitergehenden Einschränkung der Werbung fest, so die EVP. Eine deutsche Studie belege, dass Werbung besonders auf Jugendliche grossen Einfluss ausübe: Das Risiko, dass Jugendliche zu rauchen beginnen würden, steige um 46 Prozent, wenn sie Tabakwerbung ausgesetzt seien. Zielgruppe seien Kinder und Jugendliche, die als Rauchernachwuchs rekrutiert werden sollen. Die Hälfte aller Raucher würden bereits als Minderjährige damit anfangen.
Rauchen, die häufigste vermeidbare Todesursache in der Schweiz
Jährlich sterben in der Schweiz rund 9.500 Menschen an den Folgen des
Tabakkonsums, schreibt die EVP. Damit sei Rauchen die häufigste vermeidbare Todesursache in der Schweiz.
Ethische Frage: Gewinnmaximierung oder wirksame Prävention?
Letztlich gehe es auch um die ethische Frage, inwieweit der Absatz „tödlicher Produkte“ überhaupt durch Werbung gefördert werden dürfe, so die EVP. Die Schweiz müsse sich endlich der Güterabwägung zwischen wirtschaftlicher Gewinnmaximierung und wirksamer Prävention von Tabakkonsum stellen, der Sucht, Leid, Krankheit und Tod verursache. Es gehe letztlich um „eine Güterabwägung zwischen grenzenlosem Profit
und dem Schutz unserer Kinder und Jugendlichen“, so Maja Ingold.

(c) Bild Matthias Müller / churchphoto.de

 

Nachrichtenagentur APD Schweiz, Postfach, CH-4020 Basel, Journalist

Folgende Artikel finden Sie in dieser Rubrik auch noch:

Geschlechterspezifische Prävention nötig: Alkohol und Tabak

Lausanne/Schweiz. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichten Ergebnisse der internationalen Untersuchung (HBSC) von Schülerinnen und Schülern lasse keine Zweifel zu, schreibt Sucht Schweiz: Der Geschlechterunterschied bei Gesundheit und Risikoverhalten bleibe trotz der gesellschaftlichen Entwicklung hin zur Gleichberechtigung bestehen.
mehr lesen

Ehrlich. Echt. Einfach ich.

Kinder haben die wunderbare Fähigkeit, ihrem Gegenüber erfrischend ehrlich, ungekünstelt und authentisch zu begegnen.

Ihre Fragen, Blicke, Gefühle und Ausdrucksweisen sind eindeutig. Wissbegierig, mit offenen Sinnen Neues kennenzulernen und es problemlos in den Alltag zu integrieren ist für sie mehr Spiel als Aufgabe. In anziehender Weise «leben» Kinder Integrität urwüchsig und natürlich, wogegen wir als Erwachsene zunehmend in der Gefahr stehen, diese Authentizität zu verlieren. Wir passen unser Verhalten immer öfter den Erwartungen anderer und/oder der Gesellschaft an und «verlieren» damit unsere Selbstbestimmung und Persönlichkeit.
mehr lesen

Vergebungsforschung beweist: Vergebung ist lernbar

In den letzten Jahren wurde das Wesen und die Wirkung von Vergebung zunehmend wissenschaftlich erforscht. Unter anderem stellt sich auch die Frage, ob Gruppeninterventionen (z.B. Seminare) um Vergebung zu lernen und anzuwenden hilfreich sind. Von verschiedenen Teams sind bisher eine Reihe von Studien publiziert worden. Dabei konnte ein positiver Effekt von Vergebungsprogrammen nachgewiesen werden, sowohl für alte und junge Menschen, für Männer und Frauen, für Katholiken und Protestanten, sowohl bei Suchterkrankungen, bei körperlichen Problemen wie Herzerkrankungen und auch bei Beziehungsproblemen.
mehr lesen

Gewalt und Missbrauch.

Wäre es nicht angenehmer, sich mit anderen Themen zu beschäftigen? Sicherlich. Aber es wäre falsch und unlauter, die Augen vor aktuellen Problemen zu verschliessen.
mehr lesen

Von der Freiheit, sich selbst zu sein

Kaum am Urlaubsort angekommen, wurde ich ins Spital gebracht, weil ich mir mit einem scharfen Messer in die Sehne meines Zeigefingers geschnitten hatte. So landete ich kurz darauf auf dem Operationstisch, den Arm betäubt und etwas benommen. Nach etwa 30 Minuten war wieder alles vernäht. Die Ärzte legten den Arm zurück auf meine Brust. Da erschrak ich.
mehr lesen