Über das Glück
Glück. Die Glücksforschung boomt. Psychologie, Neurologie und Genetik, Soziologie und Ökonomie: Kaum eine akademische Disziplin, in der nicht jemand versucht, die uralte Frage zu beantworten, was Menschen glücklich macht – und ob sie selbst etwas dafür tun können. Aristoteles definierte Glück mit „eudaimonia“ – das gelungene, erfüllte Leben.
Soziale Beziehungen und Familie
Mutter Theresa kam gegen Ende ihres langen und erfüllten Lebens zum folgenden Schluß: „Die schlimmste Krankheit ist heute nicht die Lepra oder die Tuberkulose, sonder das Gefühl, unerwünscht zu sein, unbehaust und von allen verlassen.“ Egal, welchen Forscher man fragt, besteht in einer Erkenntnis Konsens: Soziale Beziehungen sind einer der wichtigsten Schlüssel zum Glück. So sagt George Bonanno von der Columbia University in New York, der die Resilienz erforscht: „Leute, die über ein großes soziales Netzwerk verfügen, wirken zufriedener.“ Der Wirtschaftswissenschaftler Gert Wagner ergänzt: „Einer der wichtigsten Faktoren für die Lebenszufriedenheit ist, daß die tatsächliche Arbeitszeit mit den persönlichen Vorlieben übereinstimmt, damit genug Zeit für Familie und Freunde bleibt.“ Daniel Kahnemann von der Universität Princeton, dem als einziger Psychologe der Nobelpreis für Wirtschaft verliehen wurde, bringt es auf den Punkt indem er schreibt, daß der allerwichtigste Glücksfaktor in unserem Leben die Familie und enge Freunde sind. Gemäß einem Artikel, der zu Weihnachten 2011 in der NZZ am Sonntag publiziert wurde, hätten Statistiker herausgefunden, daß Familien mit ihrem Leben zufriedener sind als Singles.
Glück und Alter
Die Entwicklungspsychologin und Altersforscherin Ute Kunzmann von der Universität Leipzig konnte nachweisen, daß ältere Menschen emotional stärker auf positive Reize als auf negative reagieren im Vergleich zu jungen Erwachsenen. Sie hätten im Vergleich zu den Jungen mehr Strategien entwickelt, um ihre Probleme zu bewältigen. Auf ihr Leben zurückblickend, würden sie eher die schönen Dinge betonen. Weiters würden ältere Menschen gelassener und milder auf Schwierigkeiten reagieren und dies würde ihnen helfen soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. George Bonnano ergänzt, daß obwohl die Ressourcen im Alter langsam abnehmen, Ältere Menschen sorgfältiger auswählen wofür sie ihre Kraft aufwenden. Es komme eben darauf an, daß das Verhalten zu jeweiligen Situation passe. Bonnano`s Fazit zum Glück: sei flexibel.
Freundschaft und Flexibilität
Offenheit für Menschen und für den Wandel ist gemäß der Glücksforschung der Schlüssel zum Glück. Dieser Schlüssel würde in uns selbst liegen. Daß Menschen mit entsprechenden Charakterzügen von Beginn an glücksbegabter sind, wissen Psychologen schon länger. Einfach anlesen könne man sich diesen Schlüssel nicht, meint die Altersforscherin Kunzmann, man müsse diese Glücksformel durch Erfahrung erwerben und dazu könne es sich lohnen in Richtung älterer Menschen zu schauen.
Zum Nachdenken: Was verstehen Sie unter Glück? Wer (oder was) macht Sie nachhaltig glücklich?
Bild: Farina2000 / pixelio.de
Robbie Pfandl, M.Sc. in Psychologie
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