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Gewalt und Missbrauch.

Wäre es nicht angenehmer, sich mit anderen Themen zu beschäftigen? Sicherlich. Aber es wäre falsch und unlauter, die Augen vor aktuellen Problemen zu verschliessen.

«Wie lange hält es diese Frau noch aus?»

Diese Frage stelle ich mir zum wiederholten Mal, als ich der Verkäuferin gegenüberstehe. Sie trägt eine Sonnenbrille, obwohl das Wetter grau und regnerisch ist. Sie schaut auf, erkennt mich und bittet eine Kollegin, mich zu bedienen. Diesmal wird kein Kontakt möglich sein. Ich erkenne trotz der dunklen Brille die Ausläufer der blauen Flecken, der aufgequollenen Augen.

Ihre 16-jährige Tochter hatte sich mir anvertraut. Der Vater wird aggressiv, sobald das Mädchen nicht seinen Erwartungen (schulische Leistungen, Mithilfe im Haushalt) entspricht. Eigentlich findet er immer einen Grund für eine Ohrfeige, einen Fausthieb. Die Mutter ist selbst Opfer, weil sie sich für ihr Kind einsetzt. Wird Frau O. auf ihre familiäre Situation angesprochen, gibt sie stets die klassische Erklärung für ihre Verletzungen: Sie sei gestürzt, gegen eine Tür gerannt. Alle Hilfsangebote werden abgelehnt.

So oder ähnlich verläuft manche Lebensgeschichte. Frauen werden geschlagen, Kinder erleben häusliche Gewalt als Zeugen oder sind ebenfalls Opfer von Schlägen, sexueller Gewalt oder anderen physischen wie psychischen Grausamkeiten.  Aus Scham werden auch schwere Verletzungen verborgen gehalten, besonders wenn die Intimsphäre oder die vermeintliche heile Welt der Familie missbraucht und zerstört wird. Weltweit sind gut 38 % aller Frauen von häuslicher Gewalt betroffen, in Europa sind es rund 23 %. Laut einer UNO-Studie sind meist Ehemänner bzw. Lebenspartner die Täter. Der Familienverband ist das häufigste Umfeld für Gewalt und sexuellen Missbrauch.

Gewalt kennt viele Varianten: physisch – psychisch  – emotional. Verletzungen des Körpers, der Seele, der Emotionen gefährden den ganzen Menschen. Wer Gewalt und Missbrauch erlebt, ist anfällig für psychosomatische Erkrankungen, Sucht (Alkohol, Medikamente, Essstörungen) und Depressionen.

Wer tut wem Gewalt an?

Männer schlagen Frauen. Frauen attackieren Männer. Eltern misshandeln Kinder. Kinder prügeln Eltern. Jugendliche sind gewalttätig. Schülerinnen und Schüler sind untereinander aggressiv. (Arbeits-)kolleginnen und -kollegen mobben. Fans stalken (verfolgen) Vorbilder.

Personen aller sozialen Schichten und jeden Alters können als Opfer wie als Täter/Täterinnen betroffen sein. Gewalt bedeutet hier die Anwendung von physischem oder psychischem Zwang gegenüber Menschen.

Wozu sind Menschen fähig?

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RUTH-SUSANNE NIEDERMAIER, Dipl. Lebens- und Sozialberaterin, Wels, A

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