Zum Hauptmenü springen

Kein Alkohol in der Schwangerschaft!

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt schwangeren und stillenden Frauen ganz auf Alkohol zu verzichten. Gesundheitsbehörden anderer Länder definieren eine vertretbare Höchstmenge. Gibt es überhaupt eine solche?

Seit 40 Jahren ist das Fetale Alkoholsyndrom” ein Begriff. Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann alle Organe des ungeborenen Kindes schädigen und die Liste der postnatal beobachteten körperlichen oder kognitiven Manifestationen ist endlos. Zur Frage, welche Alkoholmenge in welcher Phase der Schwangerschaft noch zulässig ist, gibt es keine einheitliche Meinung. Zwei rezente Studien zeigen erneut die Schwierigkeiten eine noch sichere Maximalmenge zu definieren, falls es eine solche überhaupt gibt:

1. Gelegenheitstrinken

Englische Forscher gingen der Frage nach, welchen Einfluss einmalige oder gelegentliche Einnahme grösserer Alkoholmengen in der Schwangerschaft auf die Kinder im Alter von 4 und von 7.5 Jahren hat.

8‘240 Frauen wurden in der 18. und der 32. Schwangerschaftswoche befragt. 24% hatten im jeweils der Befragung vorangehenden Monat mindestens einmal 4 oder mehr alkoholische Drinks in einem Tag konsumiert, fast die Hälfte davon zweimal oder häufiger.6‘355 Kinder konnten nach 4 Jahren und 5‘599 nach 7.5 Jahren untersucht werden.

Jede Anzahl angegebener „Trinktage“, das heisst auch nur ein einzelner, war mit einem grösseren Risiko für mentale Probleme assoziert und zwar nach 4 Jahren nur bei Mädchen und nach 7.5 Jahren bei beiden Geschlechtern. Die häufigsten Probleme waren Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität. Die Befunde blieben auch nach Berücksichtigung des höheren Tabak- und Drogengebrauchs bei Alkoholkonsumentinnen, des Ausbildungsstandes und anderer Faktoren signifikant.

2. Pränatale Alkoholexposition bei Ratten

Ein Zusammenhang zwischen pränataler Alkoholexposition und vermehrtem Abusus von Drogen und Alkohol in der Adoleszenz ist aus epidemiologischen Studien gut bekannt. Forscher aus Florida untersuchten bei Ratten, ob pränatale Alkoholexposition die postnatale Reaktion auf Alkohol verändern kann. Schwangeren Rattenweibchen wurde Alkohol mit der Nahrung zugeführt. Die Nachkommen wurden 30 Tage nach Geburt untersucht, zu einem Zeitpunkt, der ungefähr der menschlichen Adoleszenz entspricht. Nachkommen alkoholexponierter Ratten zeigten deutlich höhere Leckraten an Alkohol und Chininhydrochlorid (bitter) als die nicht exponierten Kontrollen, verhielten sich aber gegenüber Sucrose gleich. Ferner zeigten sie eine stärkere positive Reaktion auf Alkoholgeruch.

Direkte Extrapolation solcher Ergebnisse auf den Menschen sind sicher nicht zulässig. Der Effekt relativ geringer Alkoholdosen auf die Nachkommen ist aber auch im Tierversuch eindrücklich.

Fazit: Zwei Argumente mehr für die strikte Empfehlung des BAG, dass schwangere und stillende Frauen ganz auf Alkohol verzichten sollen
 

17.8.09 MedZoom (ein Service von univadis.ch und MSD)

Folgende Artikel finden Sie in dieser Rubrik auch noch:

Riskante Entscheidungen – entscheidende Risiken

Niemand betrachtet Speiseeis als ein grosses Risiko für Kinder, aber der Eiswagen, der die vierjährige Bo-Bo Valentine überfuhr, als sie auf die Strasse rannte, hätte beinahe ihr junges Leben ausgelöscht.

 Als ich sie an einem Montag­­morgen zum ersten Mal sah, lag sie im Koma auf der Intensiv­station – angeschlossen an ein Messgerät für den Schädelinnen­druck. Einer der Assistenzärzte fasste ihren Fall so zusammen: «Ist es nicht an der Zeit, das kleine Mädchen aufzugeben? Ungefähr das Einzige, was sie noch zeigt, ist eine Pupillenreaktion», was bedeutete, dass ihre Pupillen noch auf Licht reagierten. Ansonsten hatte sie jede Reaktionsfähigkeit verloren.

Bevor ich ihm antwortete, beugte ich mich über Bo-Bo und hob sanft ihr Augenlid an. Ihre Pupillen waren starr und geweitet. «Haben Sie nicht gesagt, dass ihre Pupillen noch ­reagieren?» – «Vor einer Minute taten sie es noch», beharrte er. «Dann meinen Sie, dass ihre Pupillen sich in diesem Augenblick geweitet hatten?» – «Das müssen sie wohl!»

Sofort etwas tun?

Wenn das der Fall war, dann bedeutete es, dass in diesem Moment etwas Ernsthaftes geschah, und wir mussten sofort etwas unternehmen, wenn wir hofften, weiteren Schaden abzuwenden.
mehr lesen

Lebenskunst Ruhe – den gesunden Rhythmus finden

Schneller, schneller, 
immer mehr ...

Unser Leben wird immer hektischer. Sowohl während der Arbeit als auch in der Freizeit steigen Erwartungen und Ansprüche. Es wird immer mehr in immer kürzerer Zeit verlangt. Der Stresspegel steigt, und viele spüren, dass ihnen Stress schadet. Stressbedingte Erkrankungen sind an der Tagesordnung.
mehr lesen

Panikstörung durch zu viel Blei im Blut

MONTREAL - Höhere Bleiwerte im Blut - auch wenn sie noch im Normbereich liegen - begünstigen anscheinend Depressionen und Panikstörungen bei jungen Erwachsenen.
mehr lesen

Winter Blues - Wenn Lichtmangel krank macht

Licht hilft bei depressiven Erkrankungen früher als eine Therapie mit antidepressiv wirksamen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Nachweis von saisonalen Veränderungen am postsynaptischen Neuron gelungen.
mehr lesen

Macht «Glauben» gesund? Eine Standortbestimmung

Im Sprechzimmer …Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Arzt – vielleicht bei einer Vorsorgeuntersuchung, vielleicht auch im Krankheitsfall – Sie unvermittelt fragen würde, wo Sie Hoffnung schöpfen, Kraft, Trost und inneren Frieden finden können?

mehr lesen