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Faszination Bildschirm

Kinder machen ihre ersten Erfahrungen mit digitalen Medien in der Regel innerhalb der Familie. Zum einen nutzen sie bereits ab einem jungen Alter selber Medien, zum anderen beobachten sie, wie ihre Bezugspersonen mit Medien umgehen.

So unterschiedlich wie die einzelnen Familien sind, so verschieden ist auch der Medienkonsum. Medienkompetenz ist heute in aller Munde, doch wie gestaltet sich dieser konkret in unserer Familie? Wo setzen wir Grenzen und wie? Und wie soll ich als Erziehungsperson meiner Verantwortung gerecht werden?

Verantwortungsbewusster Umgang

Meine Tochter war erst wenige Wochen alt, als ich feststellte, dass sie wie hypnotisiert auf den Bildschirm meines Laptops starrte. Es lief nichts Spannendes, lediglich eine Word-Datei war geöffnet, und trotzdem war sie hin und weg. Inzwischen ist sie bereits ein Schulkind, doch die Faszination der Bildschirmmedien ist geblieben. So stellt sich für uns als Eltern die Frage: Wie können wir unsere Kinder darin unterstützen, einen verantwortungsbewussten Umgang mit Medien zu erlernen?

Die Frage selbst liefert bereits einen ersten Hinweis: Medienkompetenz ist ein Lern­prozess. Kinder und Jugendliche haben keine Berührungsängste mit technischen Geräten, durch «Learning-by-doing» erwerben sie äußerst schnell Kompetenzen. Dennoch müssen sie auf dieser Reise begleitet werden. Es ist verlockend, das Kind vor dem Bildschirm zu «parkieren», denn im Moment des Medienkonsums ist es ruhig. Wenn ich jedoch auf diese Weise mein Bedürfnis nach Ruhe stille, entziehe ich mich meiner Verantwortung. Für das Kind ist es eine Überforderung, wenn es unbegleitet, unbeschränkt und ungefiltert Medien konsumiert.

Es ist meine Aufgabe, das wachsende Kind (dem Alter entsprechend) über die Gefahren der digitalen Medien aufzuklären und Grenzen zu bestimmen. In diesen Bereich fallen Themen wie: Umgang mit persönlichen Daten, Vertrauenswürdigkeit einer virtuellen Person, Medienkritik, Onlinebetrug etc. Weitere Ziele, die zur Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen gehören, sind die bewusste Auswahl dessen, was konsumiert wird, sowie die Fähigkeit, selbst «abzuschalten». Auch Langeweile gehört zum Alltag. Lernen, wie man damit umgeht, ist eine wichtige Erfahrung für das Kind.

Selbstständigkeit erlernen

Ab wann die Kinder und Jugendlichen unbegleitet Medien nutzen dürfen, entscheidet jede Familie selber. Verbote und Überwachungssoftware sind jedoch weniger wirksam als ein echtes Gegenüber, das die Beziehung pflegt, Zeit investiert und ein echtes Vorbild ist. Es ist hilfreich, wenn die Regeln gemeinsam in der Familie erarbeitet werden. Medienratgeber, Seminare und Workshops können eine nützliche Unterstützung in diesem Prozess sein.

Als Jugendliche habe ich folgenden Satz unzählige Male gesagt: «Alle anderen dürfen das». Die Wirkung blieb praktisch jedes Mal aus, und heute weiß ich, warum. Meine Eltern hatten sich mit der Thematik auseinandergesetzt, sie hatten sich eine Meinung gebildet, und sie waren fähig, ihren Standpunkt zu vertreten, auch dann, wenn er bei mir nicht Begeisterung auslöste. Im Rückblick weiß ich: Sie haben mir auf diese Weise etwas Wertvolles mitgegeben, das ich auch meinen Kindern weitergeben möchte. Gerade im Bereich Medien wünsche ich meinen Kindern, dass sie eine eigene Meinung haben und diese auch dann vertreten, wenn sie zur Minderheit zählt.

Die virtuelle Welt

Laut dem Duden bedeutet virtuell «nicht echt, aber echt erscheinend». Medien sind immer nur in der Lage, einen Teil der Realität abzubilden. Hinzu kommt noch, dass manchmal aus einer bestimmten Perspektive berichtet oder bewusst getäuscht und betrogen wird. Es ist daher wichtig, Medieninhalte kritisch zu hinterfragen.

Menschen sind gut darin, Masken zu tragen und andere hinters Licht zu führen. Oftmals tun wir dies nicht einmal aus böser Absicht, sondern um uns zu schützen. Denn wenn wir uns öffnen, machen wir uns verletzlich. Wenn darum online persönliche Informationen preisgegeben werden, sind diese immer bewusst ausgewählt, entsprechend dem Bild, das gezeichnet werden soll. Das Wissen, dass die virtuelle Welt nicht real ist, kann jungen Menschen Druck wegnehmen. Dies gilt ebenfalls für die Tatsache, dass die vorhandenen Schönheitsideale nicht echt sind. Es sind lediglich überarbeitete Bilder, die eine Perfektion vortäuschen, die es im wirklichen Leben nicht gibt.

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ANNIKA LOOSER GRÖNROOS, Psychosoziale Beraterin, Theologin Hunzenschwil, CH

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