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Vom Zucker sollte man sich langsam entwöhnen

Ein Projekt der EU will die Menschen dazu bringen, weniger süß, salzig und fett zu essen. Leider schmecken Nahrungsmittel aber so oft am besten. Beteiligte Forscher raten zu einem behutsamen Entzug.

Natürlich bilde ich mir ein, dass ich das erkannt und nicht den falschen Joghurt gelobt hätte. Bei einem Test in der Schweiz sollten Leute verschiedene Sorten probieren. Einigen Joghurts war weniger Zucker beigemischt, anderen mehr. Vorher hatten fast alle Testesser behauptet, dass ihnen die Joghurts, die sie meistens zu kaufen bekämen, viel zu süß seien. Das hätte auch ich gesagt.

Am besten schmeckte den Leuten dann: der zuckrigste Joghurt.

So ist das mit dem gesunden Leben, den Ansprüchen, die man an sich selbst hat, und den Geschmacksnerven. Es gibt ein Projekt der EU, das Salux heißt und die Europäer dazu bringen soll, weniger Zucker, Salz und Fett zu essen. Für dieses Projekt haben Forscher die Lage in den zwölf Ländern, die mitmachen, untersucht. Drei Jahre lang sammelten sie Daten. Herauskam, das von Rumänien bis Frankreich, von Italien bis Finnland mehr Zucker, Salz und Fett im Essen steckt, als gemeinhin als gesund gilt.

Die Geschmacksnerven reagieren zu negativ

Laut Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation sollte ein Erwachsener zum Beispiel nur sechs Gramm Salz am Tag zu sich nehmen. Deutsche Frauen sind da ziemlich gut, sie essen im Durchschnitt 6,1 Gramm, deutsche Männer kommen schon auf 8,4 Gramm. In Südosteuropa nehmen die Leute schon mal 14 Gramm Salz am Tag zu sich.

In Deutschland ist unter anderem die Universität Hohenheim an dem Projekt beteiligt. Es sei eben nicht so einfach, den Leuten das Salz aus der Wurst oder eben den Zucker aus dem Joghurt zu nehmen, sagen die Biochemiker aus Hohenheim. Egal ob Übergewicht und Diabetes drohen, den meisten schmecke weniger salziges oder süßes Essen eben auch weniger gut, "die Menschen nehmen es nicht an". Auch wenn sie gern anderes behaupten. Und was die Menschen nicht annehmen, wollen die Hersteller nicht produzieren.

Die Geschmacksnerven reagieren schlichtweg zu negativ, wenn man ihnen auf einmal die ganze schöne Süße wegnimmt. Sie signalisierten dem Körper dann, dass diese Nahrung nicht schmeckt, sagt Lutz Graeve, einer der Forscher aus Hohenheim. Er rät dazu, ganz behutsam vorzugehen. Eine schrittweise Entwöhnung der Nerven, "eine sogenannte sensorische Adaption an weniger Geschmacksstoffe", sei zu empfehlen. Die Hersteller sollten den Zucker aus dem Joghurt schleichen, wenn man so will.

Irgendwann würde dann auch das mit dem Selbstbild wieder funktionieren. Zu süßer Joghurt ist ungesund – und schmeckt mir wirklich gar nicht.

Quelle: http://www.welt.de/gesundheit/article131114715/Vom-Zucker-sollte-man-sich-langsam-entwoehnen.html

Autorin: Wiebke Hollersen

weitere Informationen: www.salux-project.eu/de

Bild:  Wikimedia Commons / KennethJFavorites

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