Krebs und Psyche

25.01.2009

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Bild zum Artikel Nr. 94In der modernen Medizin gibt es ein neues Schlagwort. Es heißt „Psychoonkologie“. Dabei steht „Psyche“ für Seele und „Onkos“ für das Geschwür, den Tumor, sowie Logos, die Lehre. Psychoonkologie bedeutet somit die Lehre von den Zusammenhängen der Seele mit Krebserkrankungen. Man ist sich heute in der modernen Medizin durchaus bewusst, dass es psychische Mitauslöser für Krebserkrankungen gibt. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, das Krebs nicht durch eine Ursache entsteht, sondern immer das Zusammenspiel mehrerer Faktoren ist. So spielt auch die Ernährung, unsere Umwelteinflüsse, die Vererbung und vieles andere mehr, eine Rolle bei der Entstehung von Krebskrankheiten. So wie es einen „Typus für Herzinfarkt“ gibt, nämlich der klassisch, immer gestresste Manager, so neigt man auch dazu, einen „Typus für Krebserkrankungen „ zu finden. Vor allem jene Persönlichkeit, die immer alles hinunterschluckt, die um des Frieden Willen immer nachgibt und letzten Endes alles selber erledigt, neigt wahrscheinlich eher zu Krebserkrankungen. Es sind jene Menschen, die sich schwer tun, einem anderen ihre Meinung zu sagen und die nie „Nein“ sagen können.

Wenn man jedoch solche „Typisierungen“ vornimmt, so muss man sehr aufpassen, dass man nicht hergeht und jeden der einmal nicht seine Meinung gesagt hat, verurteilt als Krebskandidat. Allerdings sollte man aber andererseits die Psyche nicht unterschätzen. Ihr Anteil bei der Entstehung von Krankheiten ganz allgemein, ist viel höher, als wir bisher angenommen haben. Deswegen sollte auch jeder Krebspatient begleitend zu seinen klinischen Therapien, auch eine psychotherapeutische Beratung in Anspruch nehmen. Nicht nur, weil die Krankheit sich ja auch auf die Psyche auswirkt, sondern auch weil ich eventuelle Ursachen dieser Erkrankung beseitigen will. Insofern wirkt sich natürlich auch die Psychotherapie auf den Krankheitsverlauf aus. Ganz wichtig ist, dass ich jemanden habe, mit dem ich über meine medizinischen Fragen, Sorgen und Ängste, reden kann. Viele Patienten haben Angst vor einer Chemotherapie oder Bestrahlung, oder sie meinen durch eine Operation verstümmelt zu werden (wenn z.B. bei Brustkrebs die Brust entfernt werden muss). Fordern sie ihren Hausarzt oder einen Arzt ihres Vertrauens auf, ihnen alles genau zu erklären. So gibt es heute in der plastischen Chirurgie z.B. die Möglichkeit die Brust wieder aufzubauen (Mammaplastik genannt). Und auch die Chemotherapie und Bestrahlung bedeutet nicht gleich: Ich bin vergiftet oder verstrahlt. Das sind jedoch alles Fragen, die sich stellen, bei einer solchen Erkrankung. Reden Sie daher mit einem Arzt darüber.

Dr. med. univ. Klaus Gstirner, Arzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapie nach Viktor Frankl, Lehrtherapeut aus Graz

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